COLUMBUS' langer Weg zur ISS
von Horst Paczkowski, NAFS
Dass ein Projekt dieser Größenordnung und Komplexität nicht von A bis Z reibungslos abzuwickeln ist versteht sich wohl von selbst. So kam es immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Integration von Komponenten die von Unternehmen der Partnerländer gefertigt wurden und auch die NASA verlangte immer wieder Änderungen und Verbesserungen. Da sich der Start von Columbus durch den Absturz des Space Shuttle Columbia um mehr als 2 Jahre verzögerte, wurde durch den Einbau von z.B. zusätzlicher Verkabelung die Möglichkeit zur Durchführung weiterer Experimente geschaffen.
Am 2. Mai 2006 war es dann soweit, Columbus sollte offiziell an die ESA übergeben werden.
Durch meine Mitgliedschaft im Historischen Raumfahrtarchiv Bremen e.V. im Hause EADS-ST hatte ich die Möglichkeit an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Für diese Zeremonie hatte man bei EADS-ST eigens eine der großen Integrationshallen, in der normalerweise Teile des Airbus A400M montiert werden, repräsentativ hergerichtet. Neben Teppichboden, Tischen und Sitzgelegenheiten war auch die erforderliche Medientechnik wie Großbildwand, Beschallung, Licht usw. installiert worden, um für die Gäste und die Vertreter der Medien optimale Bedingungen zu schaffen. Der eigentliche Star des Tages, das Columbus-Modul, war aus verständlichen Gründen allerdings nicht anwesend. Es befand sich, wie es sich für Flight-Hardware gehört, im Clean Room. Man hatte jedoch eine TV-Leitung in den Clean Room geschaltet, um den Gästen eindrucksvolle Bilder aus dem Inneren des Labors liefern zu können und ihnen das Weltraumlabor erklären zu können.
Nun zu den hochrangigen Gästen. Anwesend waren der ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain, der ESA-Ratsvorsitzende und Vorstandsvorsitzende des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Sigmar Wittig, die CEOs der EADS Tom Enders und Noel Forgeard, der CEO der EADS SPACE Francois Auque, und der Präsident der EADS SPACE Transportation Evert Dudok sowie die stellvertretende Administratorin der NASA Shana Dale. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm als Ehrengast an der Veranstaltung teil. Das ESA-Astronautencorps, also die zukünftigen "Bewohner" von Columbus war unter anderem durch Thomas Reiter, Reinhold Ewald und Gerhard Thiele vertreten.
Wie bei solchen Anlässen üblich, wurden natürlich diverse Reden gehalten.
So sagten Tom Enders und Noël Forgeard unter anderem: "Das Raumlabor Columbus ist der zentrale Beitrag Europas zur transatlantischen und internationalen Zusammenarbeit in der Raumfahrt. 14 Nationen aus der ganzen Welt sind an der internationalen Raumstation ISS beteiligt. Sie ist ein echtes globales Projekt und demonstriert die Vorreiterrolle unserer Industrie. Als Systemführer des Columbus-Raumlabors ist EADS SPACE maßgeblich an der ISS beteiligt."
François Auque sagte: "Columbus ist eine bedeutende Leistung. Dank des Engagements der Europäischen Weltraumagentur ESA, wird Europa nun eine wichtige Rolle in der bemannten Raumfahrt spielen. Der nächste Schritt wird die Auslieferung des unbemannten Raumtransporters ATV sein. Das ATV ist von grundlegender Bedeutung für die Versorgung der ISS und um die Raumstation in ihrer Umlaufbahn zu halten."
Evert Dudok ergänzte: "Mit der Auslieferung von Columbus zum Startplatz in Florida sind wir dem Zeitpunkt an dem die Forschung die wissenschaftliche Ernte unserer Ingenieursarbeit einfahren kann, einen Riesenschritt nähergekommen. Wir hier in Bremen haben schon heute alle Weichen für eine erfolgreiche Arbeit des Columbus-Labors gestellt. Über das unbemannte Transportvehikel ATV wird die Raumstation versorgt und auf Kurs gehalten werden, über die Firma EURISS, an der wir zu 75 Prozent beteiligt sind, werden künftig die Nutzungsfragen abgewickelt."
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Ihrer Ansprache unter anderem, die wissenschaftlichen Möglichkeiten seien von unschätzbarem Wert und sie wünsche den Entwicklern und Politikern ein Stück Kraft, der Freiheit der Forschung ihre Entfaltung zu lassen. Ausdrücklich bekannte sich Kanzlerin Merkel zum finanziellen Engagement für die Weltraumforschung in Deutschland und merkte an: "Das ist ein kleiner, aber ausgesprochen feiner Bereich, der einem Land, das sich als Hochtechnologieland und führendes Wissenschaftsland versteht, sehr, sehr gut ansteht." Zum Abschluss wünschte sie Columbus dann "eine gute Reise ins All".
Die stellvertretende NASA-Administratorin Shana Dale lobte unter anderem in ihrer Ansprache die ESA als zuverlässigen äußerst kompetenten Partner. Sie dankte der ESA und speziell der EADS SPACE Transportation für ihre hervorragenden Leistungen und versprach den Start von Columbus vorrangig zu behandeln. Sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse dies verhindern sollten, werde Columbus voraussichtlich im Herbst 2007 zur ISS transportiert.
Nach den Ansprachen war es dann soweit, der Präsident der EADS SPACE Transportation Evert Dudok übergab symbolisch den Schlüssel (in Form des "Bremer Schlüssels") zu Columbus an ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordin.