Die (fast) vergessenen Projekte
( Fortsetzung )

Nun noch ein Blick auf die deutschen Projekte.
Mitte der 30er Jahre projektierte Eugen Sänger einen 2-stufigen Raumgleiter, der von einer etwa 3000 Meter lagen, schräg ansteigenden Startschiene gestartet werden sollte. Die erste Stufe war als separater Booster konzipiert, der für den nötigen Schub während der ersten Phase des Starts sorgte. Beim Erreichen der erforderlichen Geschwindigkeit sollte der Booster vom Gleiter getrennt und das Haupttriebwerk des eigentlichen Gleiters gezündet werden, das diesen in einer steilen Kurve in den Weltraum bringen sollte. Die Idee wurde später noch einmal kurz aufgegriffen und aus dem Raumfahrzeug entstand der unter dem Namen " America Bomber " bekannt gewordene Fernbomber, der die Ostküste Amerikas bombadieren sollte. Besonders interessant an diesem Projekt ist die folgende Tatsache: das original Windkanalmodell des Gleiters wurde von der NASA untersucht und getestet. Diese Untersuchungen ergaben, das der Gleiter tatsächlich in der Lage gewesen wäre den Weltraum zu erreichen und den Weg an Amerikas Ostküste zu überwinden. Einzigstes Problem wäre der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gewesen. Aufgrund der damals noch fehlenden Kenntnisse über die Beanspruchungen bei der Rückkehr in die Atmosphäre hatte man keinen Hitzeschutzschild vorgesehen ,so daß der Raumgleiter verglüht wäre.

Bild oben: Zeichnung der Raumgleiters von Eugen Sänger aus den 30er Jahren.

Bild oben: Rißzeichnung des " Sänger "

Zm Schluß sollen noch zwei Nachfolge-Projekte der A-4 Familie erwähnt werden, die A-9 und die A-9/A-10. Bei der A-9 handelte es sich um eine modifizierte A-4, die um eine Druckkabine erweitert wurde, um einem Piloten Platz zu bieten. Auch zwei der vier Leitwerksflossen wurden verändert. Sie reichten nun bis zur Spitze der Rakete, die damit ein wenig an die spätere amerikanische X-15 erinnerte. Auch sollte die A-9 ein überarbeitetes und leistungsverstärktes Triebwerk erhalten. Leider dienten diese Modifikationen wieder nur militärischen Zwecken und keines Wegs dem Ziel, den Weltraum zu erforschen.



Bild oben und links: künstlerische aber sehr realistische
Darstellung der A-9 während der letzten Startphasen und
des Fluges.

Das zweite Nachfolge-Projekt war die Erweiterung der A-9 zur A-9/A-10. Diese Version bestand aus zwei Stufen, wobei die zweite Stufe eine A-9 war, die in eine große leistungsstarke erste Stufe integriert war. Für die erste Stufe gab es mehrere Varianten. Eine Variante sah vor, ein Einzelnes für die damalige Zeit enorm leistungsfähiges Triebwerk zu verwenden, ein anderer Vorschlag war 4 oder 5 Triebwerke geringerer Leistung ( jedoch deutlich schubstärker als die A-9 Triebwerke ) einzusetzen. Welcher der Vorschläge letztlich zum Tragen gekommen wäre, bleibt offen. Bekannt ist lediglich, daß ein sehr schubstarkes Triebwerk, dessen Leistung etwa dem dreifachen dessen des A-4 Triebwerkes entsprach, in der Entwicklung war. Glaubt man diesen Quellen, so hat dieses Triebwerk auch mehrmals sehr erfolgreiche Testläufe absolviert. Auch dieses Projekt war leider rein militärischer Natur. Die A-9/A-10 sollte, wie der Sänger, zur Bombadierung der U.S. Ostküste dienen. Daher ist sie auch unter dem Namen " America Rocket " bekannt geworden

Bild oben: Modelle im Maßstab 1/72 der A-9 ( links im Bild ) und der A-9/A-10. Bild oben: Die A-9/A-10 in der Version mit nur einem extrem leistungsfähigen Triebwerk in der ersten Stufe.